KI-Bilder erkennen: Checkliste und Prüfschritte
KI-Bilder erkennst du am sichersten mit zwei Schritten: Erst schaust du genau hin, etwa auf Hände, Schrift, Schatten und Hintergrund. Dann prüfst du die Herkunft, zum Beispiel mit einer Bilder-Rückwärtssuche und einem Blick auf seriöse Quellen. Kein einzelnes Merkmal und kein Prüfprogramm ist dabei ein sicherer Beweis, erst mehrere Hinweise zusammen ergeben ein Bild.
Diese Anleitung stützt sich vor allem auf die Empfehlungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizei. Sie enthält eine Checkliste zum Durchgehen, Hinweise für Videos und eine Anleitung, was du tun kannst, wenn ein Fake dich selbst zeigt.
Warum das schwieriger geworden ist
Das BSI schreibt, dass es immer schwieriger wird, echte Bilder von KI-Bildern zu unterscheiden. Es gibt viele Bildgeneratoren, sie werden laufend besser, und die Zahl der KI-Bilder nimmt stetig zu, auch weil manche soziale Netzwerke solche Funktionen direkt eingebaut haben.
Eine Befragung von Polizei und BSI vom Januar 2026 zeigt, wie unsicher viele Menschen sind:
| Ergebnis | Alle Befragten | ab 50 Jahren |
|---|---|---|
| haben schon KI-Bilder oder -Videos gesehen | 70 % | 58 % |
| trauen sich zu, KI-Bilder zu erkennen | 47 % | 33 % |
Ein Drittel aller Befragten (32 Prozent) hat noch nie etwas unternommen, um ein verdächtiges Bild oder Video zu prüfen. Eine Rückwärtssuche hatten nur 10 Prozent schon einmal genutzt. Genau diese Lücke kannst du mit ein paar Minuten Übung schließen.
Die Bild-Checkliste
Das BSI nennt eine Reihe möglicher Hinweise auf KI-Bilder. Geh sie der Reihe nach durch, am besten mit vergrößertem Bild:
| Worauf achten | Typische Auffälligkeit |
|---|---|
| Realismus | übertriebene, sehr unwahrscheinliche Szene, die starke Gefühle oder Meinungen auslösen soll |
| Hände | falsche Zahl von Fingern, merkwürdige Proportionen oder Haltung |
| Gesichter | unnatürlich symmetrisch, Fehler an Augen, Ohren, Haaransatz oder Zähnen |
| Schrift | Schilder oder Aufdrucke mit Rechtschreibfehlern, unscharfen oder verzerrten Buchstaben |
| Details | verzerrter Schmuck, unnatürliche Kanten, verschwommene Bildschirme im Hintergrund |
| Hintergrund | auffällig stark verschwommen |
| Licht und Schatten | Schatten in verschiedene Richtungen, Spiegelungen fehlen teilweise |
| Muster | Fliesen, Stuck oder Verzierungen brechen plötzlich ab oder laufen hinter einem Gegenstand nicht passend weiter |
| Physik | schwebende Gegenstände, Wasser, das nicht nach unten fließt |
| Perspektive | Linien von Tischkanten, Böden oder Straßen laufen nicht auf einen gemeinsamen Fluchtpunkt zu |
Wichtig: Das BSI spricht ausdrücklich von möglichen Hinweisen, nicht von Beweisen. Weil die Generatoren laufend besser werden, kann auch ein Bild ohne erkennbare Fehler künstlich sein.
Die Herkunft prüfen: fünf Schritte
Mindestens so wichtig wie das Hinschauen ist die Frage, woher ein Bild kommt. Das BSI empfiehlt diese Prüfungen:
- Rückwärtssuche. Statt eines Suchworts gibst du das Bild selbst oder den Link zum Bild in eine Suchmaschine ein. Die Suchmaschine zeigt gleiche oder ähnliche Bilder und die Seiten, auf denen sie vorkommen. So siehst du, ob das Bild aus einer vertrauenswürdigen Quelle stammt, ob es schon älter ist und ob es eine Abwandlung eines anderen Bildes ist.
- Quelle hinterfragen. Stammt das Bild von einer etablierten Nachrichtenagentur oder aus einem fragwürdigen Kanal? Eine seriöse Quelle oder mehrere unabhängige Quellen sprechen für die Echtheit.
- Weitere Bilder suchen. Von echten Ereignissen gibt es meist Fotos von mehreren Augenzeugen oder Journalisten. KI-Bilder gibt es laut BSI meistens nur aus einer Perspektive.
- Wetter vergleichen. Passt das Wetter im Bild zu den Wetterdaten für Ort und Zeit? Sonne im Bild, aber Schnee laut Wetterbericht ist ein Warnsignal.
- Hinweise und Herkunftsnachweise suchen. Achte auf Kennzeichnungen wie „KI-generiert“ in sozialen Netzwerken. Manche Bilder tragen digitale Herkunftsnachweise (englisch: Content Credentials), die zeigen, woher ein Bild stammt und ob es bearbeitet wurde. Fehlende oder widersprüchliche Bildinformationen wie Kameramodell, Datum oder Ort können ebenfalls ein Hinweis sein.
Dazu kommt eine Denkfrage, die das BSI empfiehlt: Was könnte jemand Böswilliges mit diesem Bild erreichen, wenn es gefälscht wäre? Wer Empörung, Angst oder Mitleid auslösen will, hat oft ein Motiv.
Erkennungsprogramme und KI-Chats
Im Internet gibt es kostenlose und kostenpflichtige Programme, die KI-Bilder erkennen sollen. Das BSI ist hier deutlich: Diese Dienste garantieren derzeit keine zuverlässige Erkennung. Sie können aber Hinweise liefern, die du dann selbst überprüfst. Ebenso kannst du laut BSI einen KI-Chat fragen, ob ein Bild KI-generiert sein könnte und woran man das erkennt, und die genannten Hinweise anschließend selbst nachprüfen.
Wie begrenzt die Technik ist, zeigt ein Beispiel aus dem BSI. In einem Wettbewerb zur Erkennung gefälschter Videos aus dem Jahr 2020 lag selbst das beste Programm im Schnitt nur bei 65,18 Prozent Genauigkeit. Durch bloßes Raten wären 50 Prozent erreichbar gewesen.
Bevor du ein privates Foto in so ein Programm hochlädst, bedenke: Auch dort landen deine Daten beim Anbieter. Mehr dazu im Artikel Was darf ich in einen KI-Chat eingeben?
Gefälschte Videos erkennen
Bei Videos, in denen ein Gesicht ausgetauscht wurde, nennt das BSI typische Fehler:
- Sichtbare Übergänge an der Naht rund um das Gesicht, wechselnde Hautfarbe oder Hautstruktur, manchmal doppelte Augenbrauen am Gesichtsrand.
- Verwaschene Konturen bei Zähnen und Augen, die eigentlich scharf sein müssten.
- Begrenzte Mimik und unstimmiges Licht. Dreht die Person den Kopf stark zur Seite, wird das Gesicht oft unscharf.
Ist im Video auch die Stimme gefälscht, können metallischer Klang, monotone Sprache oder falsche Betonungen auffallen. Wie Betrüger gefälschte Stimmen am Telefon einsetzen, erklären wir im Artikel KI-Betrug mit gefälschter Stimme.
Verbreitet sind laut Polizei und BSI gefälschte Videos, in denen Prominente scheinbar für Geldanlagen werben. Die Verbraucherzentrale rät: Solche Werbevideos ohne KI-Hinweis sollten dich skeptisch machen.
Was du mit einem Fake tust
- Nicht weiterleiten. Das BSI rät, Fake-Bilder nicht unbedacht zu teilen, auch nicht, um sich darüber lustig zu machen. Jede Weitergabe hilft bei der Verbreitung.
- Kennzeichnen. Wenn du sicher bist, kannst du ein Bild laut BSI in den Kommentaren als KI-generiert markieren.
- Familie warnen. Geht ein Fake in der Familiengruppe herum, sag freundlich Bescheid und erkläre, woran du es erkannt hast.
Wenn ein Fake dich selbst zeigt
Die Polizei warnt, dass heute ein einzelnes Foto aus einem öffentlich zugänglichen Profil reicht, um ein realistisch wirkendes Fake zu erstellen. Solche Fälschungen verletzen ohne Erlaubnis der Betroffenen die Persönlichkeitsrechte oder können Beleidigungen darstellen. Die Polizei empfiehlt:
- Den Inhalt bei der Plattform melden, meist über eine Melde-Schaltfläche.
- Beweise sichern: Adresse (URL) des Fundorts, Datum der Veröffentlichung und Uhrzeit des Abrufs notieren, Screenshots machen.
- Anzeige bei der Polizei erstatten oder sich rechtlich beraten lassen.
Eine wichtige Ausnahme: Bei Darstellungen sexualisierter Gewalt oder Kinderpornografie keine Screenshots machen, denn schon der Besitz kann strafbar sein. Frag bei deiner Polizeidienststelle vor Ort, wie du Beweise richtig sicherst.
Üben hilft
Das BSI zeigt auf seiner Seite zur Erkennung KI-generierter Bilder mehrere Beispielbilder mit Auflösung, an denen du dein Auge trainieren kannst. Nimm dir dafür zehn Minuten, am besten gemeinsam mit jemandem aus der Familie. Wer die typischen Fehler einmal gesehen hat, erkennt sie schneller wieder. Wer mehr über den sicheren Umgang mit KI lernen möchte, findet im Privatkurs KI im Alltag eine Lektion zu Betrug mit gefälschten Stimmen, Bildern und Nachrichten.
Häufige Fragen
Kann ich mich auf ein KI-Erkennungsprogramm verlassen?
Nein. Laut BSI ist derzeit keine Methode bekannt, die Bilder vieler Generatoren zuverlässig erkennt. Programme können Hinweise geben, die du selbst überprüfst. Verlässlicher ist die Prüfung der Herkunft mit Rückwärtssuche und seriösen Quellen.
Sind sechs Finger immer noch ein sicheres Zeichen?
Fehler an Händen gelten laut BSI als klassisches Merkmal. Sie kommen aber nicht in jedem KI-Bild vor. Ein Bild mit fünf korrekten Fingern kann trotzdem künstlich sein. Prüfe deshalb immer mehrere Merkmale und die Herkunft.
Wie mache ich eine Rückwärtssuche auf dem Handy?
Speichere das Bild oder kopiere den Link dazu. Öffne dann in deinem Browser die Bildersuche einer Suchmaschine und wähle die Möglichkeit, ein Bild hochzuladen oder einen Bildlink einzufügen. Die Ergebnisse zeigen dir, wo das Bild noch vorkommt und wie alt es ist.
Müssen KI-Bilder nicht gekennzeichnet sein?
Seit dem 2. August 2026 gelten dafür Regeln aus der KI-Verordnung, vor allem für Anbieter von KI-Programmen und für die berufliche Nutzung. Betrüger halten sich aber nicht daran. Ein fehlender Hinweis bedeutet also nicht, dass ein Bild echt ist. Details im Artikel KI-Kennzeichnungspflicht für Privatpersonen.
Quellen
- Erkennung KI-generierter Bilder, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
- Deepfakes – Gefahren und Gegenmaßnahmen, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
- Cybersicherheitsmonitor 2026: Online-Betrug und Künstliche Intelligenz (Kurzbericht), Polizeiliche Kriminalprävention und Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
- Künstliche Intelligenz: Wenn Deepfakes zu „News“ werden, Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
- Vorsicht Betrug: Bedrohungen durch KI (12.02.2026), Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
- AI Act: Was regelt die neue europäische KI-Verordnung?, Verbraucherzentrale
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