Was bedeutet „Schere“ in der Jugendsprache?
„Schere“ bedeutet in der Jugendsprache „mein Fehler“. Wer etwas verbockt hat, sagt „Schere“ und formt dazu mit Zeige- und Mittelfinger eine Schere. Es ist eine kurze, lockere Entschuldigung, die aus der Gaming-Szene kommt und heute auch im Alltag benutzt wird.
Woher kommt „Schere“?
Der Ausdruck stammt aus der Gaming- und Streaming-Szene. Dort ist die Schere eine Geste, mit der man sich entschuldigt, schnell und ohne viele Worte. Das Portal evangelisch.de beschrieb das Wort 2024 als Eingeständnis eines Fehlers aus der Gaming-Kultur, ausgedrückt durch das Heben der Schere. Auch das Schweizer Radio und Fernsehen ordnet es als Gaming-Begriff ein, der im Alltag als Entschuldigung benutzt wird.
Inzwischen hat sich das Wort aus dem Spiel gelöst. Kinder sagen „Schere“, wenn sie den Saft umgeworfen haben, zu spät kommen oder den letzten Keks gegessen haben. Der Jugendforscher Simon Schnetzer weist allerdings darauf hin, dass viele Menschen den Begriff noch nie gehört haben. Wenn du ihn nicht kennst, bist du also nicht allein.
Drei Jahre auf der Liste
„Schere“ ist ein Wort mit Ausdauer. Es stand drei Jahre hintereinander unter den zehn Kandidaten der bekanntesten Abstimmung über Jugendwörter:
| Jahr | Platzierung |
|---|---|
| 2024 | unter den letzten drei, hinter „Aura“ und einem weiteren Wort |
| 2025 | unter den zehn Kandidaten |
| 2026 | unter den zehn Kandidaten |
Das ist ungewöhnlich. Die meisten Wörter tauchen einmal auf und verschwinden wieder. Dass „Schere“ bleibt, spricht dafür, dass es wirklich benutzt wird und nicht nur ein kurzer Witz ist. Die anderen Wörter aus der Liste 2026 findest du in Jugendwörter 2026 erklärt.
Wie benutzt man „Schere“ richtig?
„Schere“ ist eine kleine Entschuldigung für kleine Fehler. Für ernste Dinge passt es nicht. Wer jemanden wirklich verletzt hat, sagt besser „Tut mir leid“. Im Alltag funktioniert das Wort so:
- „Ich hab vergessen, die Spülmaschine auszuräumen. Schere.“
- „Schere, ich hab dich im Spiel abgeschossen. War keine Absicht.“
- „Zu spät heimgekommen. Schere.“
- „Ups, falscher Gruppenchat. Schere.“
Oft kommt das Wort ohne Satz drumherum, nur mit der Geste. Manche schreiben im Chat auch nur „Schere“ als Antwort, wenn sie auf einen Fehler hingewiesen werden.
Die Geste: so geht die Schere
Zeige- und Mittelfinger ausstrecken und leicht spreizen, die anderen Finger einklappen, wie beim Spiel Schere, Stein, Papier. Dann die Hand heben, sodass das Gegenüber die Schere sieht. Die Geste kann das Wort ersetzen: Wer die Schere zeigt, gibt den Fehler zu. Im Video oder Videoanruf reicht oft schon die Hand vor der Kamera.
Ist „Schere“ eine echte Entschuldigung?
Ja und nein. „Schere“ ist ehrlich, aber leicht. Es heißt: Ich weiß, dass das mein Fehler war, und ich stehe dazu. Es heißt nicht: Ich mache es wieder gut. Für Eltern ist das eine gute Gelegenheit, nachzufragen. Ein freundliches „Schere angenommen. Und wie lösen wir es?“ zeigt, dass du das Wort kennst und trotzdem eine Lösung erwartest.
Spannend ist, dass Jugendliche überhaupt ein eigenes Wort für das Eingestehen von Fehlern haben. Das wirkt fast höflich. Die Sprachwissenschaftlerin Judith Willberg betont, dass Jugendsprache vor allem Zugehörigkeit zeigt. Wer „Schere“ sagt, signalisiert: Ich gehöre zu denen, die so reden, und ich nehme den Fehler nicht zu schwer.
Ähnliche Wörter für „Entschuldigung“
„Schere“ ist nicht das einzige lockere Wort für einen Fehler. Im Englischen gibt es dafür „my bad“, also „mein Fehler“, und Ältere kennen vielleicht noch „Asche auf mein Haupt“ oder „mea culpa“ aus dem Lateinunterricht. Alle drücken dasselbe aus: Ich habe es verbockt, lass uns nicht lange darüber reden. Der Unterschied liegt im Ton. „Schere“ klingt jung, schnell und ein bisschen verspielt, gerade wegen der Geste.
Wenn dein Kind eins dieser Wörter benutzt, ist das kein Zeichen von Gleichgültigkeit. Es ist eine Art, Fehler leichter zuzugeben. Und das ist eine Fähigkeit, die viele Erwachsene gern öfter hätten.
Darf ich als Erwachsener „Schere“ sagen?
Klar, am besten mit einem Augenzwinkern. Wenn du nach dem Elternabend den falschen Kuchen mitgebracht hast, ist ein „Schere“ vor deinem Teenager vermutlich ein Lacher. Peinlich wird es eher, wenn du das Wort in jedem zweiten Satz benutzt. Mehr Tipps dazu stehen in Jugendsprache für Eltern erklärt.
Wer es lieber zum Anziehen mag: Auf unserer Seite Jugendsprache 2026 gibt es „Schere. Mein Fehler.“ als Shirt und Hoodie, mit der Übersetzung gleich darunter, damit auch Oma Bescheid weiß.
Häufige Fragen
Was heißt „Schere“ in der Jugendsprache?
„Schere“ heißt „mein Fehler“. Man gibt damit locker zu, dass man etwas falsch gemacht hat, und zeigt dazu oft mit zwei Fingern eine Schere.
Woher kommt die Schere-Geste?
Aus der Gaming- und Streaming-Szene. Dort steht sie für „sorry, mein Fehler“ und ist von da in den Alltag gewandert.
War „Schere“ ein Jugendwort des Jahres?
Gewonnen hat es nicht, aber es stand 2024, 2025 und 2026 unter den zehn Kandidaten der Abstimmung. 2024 kam es sogar unter die letzten drei.
Ist „Schere“ unhöflich?
Nein. Es ist eine lockere Entschuldigung unter Freunden. Für ernste Situationen ist ein richtiges „Tut mir leid“ trotzdem passender.
Quellen
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