Beispielbuch. So sieht ein fertiges personalisiertes Fußball-Kinderbuch aus. Mila, ihr Freund Jonte und der SV Kastanienweg stehen hier für die Angaben, die du für dein Kind machst. Eigenes Buch gestalten
Dieses Buch gehört
Mila
Für Mila, die auch nasse Bälle festhält. Von Oma Ilse
Die Nacht vor dem Spiel
Mila liegt im Bett und zählt Schafe. Bei Schaf Nummer zweiundvierzig gibt sie auf. Die Schafe springen heute sowieso alle über einen Fußball.
Am Schrank hängt ihr Trikot. Grün mit weißen Ärmeln, und hinten steht eine große weiße 1. Die Eins bekommt beim SV Kastanienweg nur, wer im Tor steht. Mila hat sie seit dem Sommer.
Morgen ist das letzte Spiel der Herbstrunde, gegen den TSV Fuchsbau. Die Füchse haben noch kein Spiel verloren. Ihr Stürmer soll so fest schießen, dass das Netz quietscht. Das hat jedenfalls Jonte erzählt, und Jonte erzählt viel.
Mila dreht sich auf die andere Seite. Dann wieder zurück. Vor zwei Wochen ist ihr ein ganz harmloser Ball durch die Beine gerollt, so langsam, dass man ihn hätte aufheben können. Alle haben gestöhnt. Einer hat gelacht.
Die Tür geht auf, und Papa steckt den Kopf herein. „Mimi, schläfst du schon?“
„Nein. Ich übe.“
„Was übst du denn im Liegen?“
„Beine zumachen.“
Papa setzt sich auf die Bettkante. Dass so etwas jedem mal passiert, sagt er diesmal nicht. Das hat er schon dreimal gesagt. Stattdessen holt er die Handschuhe aus der Sporttasche und legt sie neben das Kissen. „Für alle Fälle“, flüstert er.
Mila zieht einen davon an. Der Handschuh ist zu groß und riecht nach Rasen. Irgendwann schläft sie ein, die Hand auf der Bettdecke, bereit für den nächsten Ball.
Handschuhe mit Loch
In der Kabine riecht es nach Regenjacken und Pfefferminz. Draußen trommelt es aufs Dach. Trainerin Hanne hat eine Tüte Bonbons dabei, weil man mit Pfefferminz im Mund angeblich schneller denkt.
Jonte sitzt schon auf der Bank und knotet seine Schnürsenkel zum dritten Mal neu. „Hast du gehört? Die Füchse sind alle zwei Köpfe größer als wir.“
„Woher weißt du das?“, fragt Mila.
„Hab ich gesehen. Vom Parkplatz aus.“
„Vom Parkplatz aus sieht doch jeder groß aus.“
Jonte überlegt eine Weile. Dann nickt er ernst und nimmt sich noch ein Bonbon.
Mila streift die Handschuhe über. Am linken Daumen ist ein kleines Loch. Gezeigt hat sie es noch niemandem, denn sie glaubt, dass genau diese Handschuhe Glück bringen. Mit Loch oder ohne.
Trainerin Hanne klatscht in die Hände. „Also, ihr Kastanien. Heute spielen wir im Regen. Der Ball wird glitschig, der Rasen wird glitschig, und ihr werdet nass bis auf die Unterhose. Für die Füchse ist das ganz genauso.“
Bei dem Wort Unterhose kichern ein paar Kinder.
Zum Schluss schaut die Trainerin zu Mila. „Und unsere Nummer 1 ruft laut, wenn sie den Ball will. Verstanden?“
Mila nickt. Laut rufen kann sie. Zu Hause übt sie das oft genug, meistens wenn ihr kleiner Bruder ihre Stifte klaut.
Die Füchse sind groß
Die Füchse sind tatsächlich groß. Nicht zwei Köpfe, aber bestimmt einen halben. In ihren blauen Trikots stellen sie sich am Mittelkreis auf, als gehörte ihnen der Platz schon.
Schiedsrichter Brandl lehnt seinen Schirm an den Zaun und pfeift an.
Die ersten Minuten sind ein einziges Gerutsche. Der Ball springt nicht, er schlittert. Ein Fuchs rennt los, stolpert über nichts und landet auf dem Hosenboden. Ein Kastanienspieler macht es ihm gleich nach. Am Rand rufen die Eltern Sachen wie „Hoch das Bein!“ und „Nicht so viel denken!“.
Mila steht im Tor und hüpft von einem Fuß auf den anderen. Ihre Socken sind schon nass. Von hier hinten sieht das Spiel ganz anders aus, findet sie. Man sieht alles, aber man kann nichts machen, bis der Ball zu einem kommt.
Dann kommt er. Der große Stürmer der Füchse schießt aus vollem Lauf. Mila wirft sich hin, bekommt den Ball an den Bauch und drückt ihn fest. Schwer ist er, voller Wasser und glatt wie ein Stück Seife.
„Meiner!“, ruft sie. Viel zu spät natürlich, sie hat ihn ja schon.
„Gut gemacht, Mila!“, ruft Jonte von vorn.
Mila rollt den Ball zu Leni an die Seitenlinie. In ihrem Bauch kribbelt es. Das war gut. Das war sogar richtig gut.
Halbzeit auf der nassen Bank
Kurz vor der Pause passiert es trotzdem. Ein Schuss von halbrechts, gar nicht besonders fest. Mila geht in die Knie, so wie sie es hundertmal geübt hat. Aber vor dem Tor steht eine einzige große Pfütze. Der Ball setzt auf, spritzt hoch und hüpft über ihre Schulter ins Netz.
Null zu eins.
Die Füchse jubeln. Mila bleibt in der Pfütze sitzen. Jemand am Zaun sagt „Oh nein“, und sie weiß nicht, ob das ein Kastanien-Papa war oder eine Fuchs-Mama.
In der Halbzeit hocken alle auf der Bank am Spielfeldrand. Es gießt jetzt so sehr, dass von der Dachkante ein ganzer Vorhang aus Tropfen hängt.
Mila zieht die Handschuhe aus. „Vielleicht sollte Paul ins Tor“, sagt sie.
Jonte rückt so nah an sie heran, dass ihre nassen Ärmel aneinanderkleben. „Paul? Paul hat Angst vor Tauben.“
„Was haben Tauben damit zu tun?“
„Weiß ich nicht. Aber wenn eine Taube aufs Tor fliegt, ist Paul weg.“
Mila muss lachen, obwohl sie eigentlich gar nicht will. Jonte hält ihr die Handschuhe hin. Am Daumen schaut das Loch heraus. „Der Ball eben war gemein“, sagt er. „Die anderen elf hast du gehalten. Ich hab mitgezählt.“
„Es waren nie im Leben elf.“
„Gefühlt schon.“
Trainerin Hanne kommt mit einem Handtuch und rubbelt allen nacheinander die Haare trocken, was überhaupt nichts bringt. Dann geht es wieder raus.
Jonte und die Pfütze
Die zweite Halbzeit gehört den Kastanien. Na ja, fast. Die Blauen werden müde, weil lange Beine im Schlamm mehr wiegen. Das behauptet jedenfalls Jonte, und vielleicht hat er sogar recht.
Mila fängt einen hohen Ball. Diesmal ruft sie rechtzeitig, und zwar so laut, dass Schiedsrichter Brandl zusammenzuckt. Vorn an der Mittellinie steht Jonte ganz allein und winkt mit beiden Armen.
Weit werfen kann Mila. Sie holt aus und wirft, so weit es geht. Der Ball fliegt über zwei Füchse hinweg, landet in einer Pfütze und bleibt einfach liegen. Platsch.
Jonte ist schneller als alle anderen. Mit der Fußspitze tippt er den Ball an und schiebt ihn am Torwart der Füchse vorbei. Ganz gemütlich rollt der Ball ins Netz, als hätte er heute nichts mehr vor.
Eins zu eins!
Jonte rutscht auf den Knien über den Rasen und hört gar nicht mehr auf zu rutschen. Die ganze Mannschaft rennt zu ihm. Mila darf nicht mit, denn eine Torwartin bleibt im Tor. Also springt sie da, wo sie steht, in die Luft und reißt die Arme hoch, bis ihr die grünen Ärmel über die Handschuhe rutschen.
„Das war deine Vorlage!“, schreit Jonte quer über den Platz.
Am Zaun hält Papa einen Regenschirm, der längst nach oben umgeklappt ist. Er merkt es nicht einmal.
Der letzte Schuss
Noch zwei Minuten. Schiedsrichter Brandl schaut ständig auf seine Uhr und wischt sie jedes Mal mit dem Ärmel trocken.
Dann bekommen die Füchse einen Freistoß, genau vor dem Strafraum. Der große Stürmer legt sich den Ball zurecht und klopft mit der Schuhspitze dagegen, ganz vorsichtig, als würde er anklopfen.
Mila stellt sich in die Mitte des Tores. Ihr Herz klopft bis in die Ohren. Sie denkt an den Ball, der ihr vor zwei Wochen durch die Beine gerollt ist. Und an den von vorhin, der über die Schulter gehüpft ist. Danach denkt sie an gar nichts mehr, weil der Stürmer anläuft.
Der Schuss ist fest. Unten links zischt er aufs Tor, genau dahin, wo das Gras am höchsten steht.
Mila fliegt. So fühlt es sich jedenfalls an. Sie streckt sich so lang, dass ihr der Zopf hinterherweht, und bekommt den Ball mit beiden Händen zu fassen. Mit dem Loch im Daumen. Mit einem riesigen Platsch landet sie in der Pfütze und hält den Ball fest an die Brust gedrückt.
Einen Moment ist es still auf dem Platz. Dann jubeln alle Kastanien gleichzeitig.
Der große Stürmer ist beim Schuss ausgerutscht und sitzt im Matsch. Mila steht auf, legt den Ball zur Seite und hält ihm die Hand hin. Überrascht schaut er sie an. Dann lässt er sich hochziehen. „Guter Ball“, murmelt er.
„Guter Schuss“, sagt Mila.
Kurz darauf pfeift Schiedsrichter Brandl ab. Eins zu eins. Zum ersten Mal in dieser Herbstrunde hat der TSV Fuchsbau nicht gewonnen.
Nasse Socken
Auf dem Heimweg hat der Regen aufgehört. Der Himmel ist orange geworden, und in jeder Pfütze schwimmt ein Stück davon.
Mila geht zwischen Papa und Jonte. Bei jedem Schritt schmatzen ihre Schuhe. Quatsch, quatsch, quatsch. Jonte findet das so lustig, dass er extra durch jede Pfütze stapft, damit seine Schuhe mitmachen.
„Weißt du, was das Beste war?“, fragt Jonte.
„Dein Tor“, sagt Mila.
„Nein. Dass du dem Fuchs aufgeholfen hast. Der hat vielleicht geguckt. Dem hat bestimmt noch nie ein Torwart die Hand gegeben.“
„Torwartin“, sagt Mila.
„Torwartin“, sagt Jonte. „Entschuldigung.“
Papa trägt die Sporttasche und den kaputten Schirm. Ab und zu schaut er Mila von der Seite an und grinst. Irgendwann fragt er doch: „Na, Mimi, wie viele Bälle hast du heute gehalten?“
Mila will an den Fingern abzählen, aber die Handschuhe kleben noch an ihren Händen. „Genug“, sagt sie.
„Und wie viele sind reingegangen?“
„Einer. Aber der war gemein.“
Zu Hause stellt sie die Schuhe auf die Heizung und hängt das grün-weiße Trikot zurück an den Schrank. Es tropft auf den Teppich. Mama sagt, das sei egal, ausnahmsweise.
Später liegt Mila im Bett und zählt keine Schafe. Sie zählt Bälle. Grüne, weiße, nasse. Bei Ball Nummer zwölf schläft sie ein, und keiner davon ist ihr durch die Beine gerollt.
Ende
Persönliche Ausgabe für Mila, erstellt am 26. Oktober 2026 · 1525 Wörter, etwa 14 Minuten Vorlesezeit
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