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Hausaufgaben in der Grundschule: Wie lange und ohne Streit

Grundschule und Lernen · 6 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 28.10.2026 · Fakten geprüft am 28.10.2026 (3 Quellen)

Wie lange Hausaufgaben in der Grundschule dauern dürfen, legt jedes Bundesland selbst fest. In Nordrhein-Westfalen sind es 30 Minuten pro Tag in Klasse 1 und 2 und 45 Minuten in Klasse 3 und 4, in Niedersachsen höchstens 30 Minuten, in Bayern bis zu einer Stunde. Gemeint ist jeweils die gesamte Hausaufgabenzeit eines Tages, nicht die Zeit pro Fach.

Unten findest du die Regeln im Detail, was du tun kannst, wenn die Hausaufgaben regelmäßig länger dauern, und eine Routine, die den täglichen Streit am Schreibtisch kleiner macht.

Wie lange dürfen Hausaufgaben dauern? Drei Länder im Vergleich

BundeslandZeit pro TagFreie TageRechtsgrundlage
Nordrhein-WestfalenKlasse 1 und 2: 30 Minuten; Klasse 3 und 4: 45 Minutenkeine Hausaufgaben am Wochenende, an Feiertagen und an Tagen mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht (an Schulen ohne gebundenen Ganztag)Runderlass vom 05.05.2015, BASS 12-63
Niedersachsenhöchstens 30 Minutenkeine Hausaufgaben von Freitag auf Montag und über die FerienErlass zu Hausaufgaben an allgemeinbildenden Schulen
Bayernbis zu einer Stunde gilt als angemessenSonntage, Feiertage und Ferien sind freizuhalten; an Tagen mit Pflicht-Nachmittagsunterricht keine schriftlichen Hausaufgaben für den nächsten Tag (Abweichung mit dem Elternbeirat möglich)§ 28 Bayerische Schulordnung

In den anderen Ländern gelten eigene Regeln, teils mit Zeitangaben, teils legen die Schulen selbst Grundsätze fest. Auch in Bayern bestimmt die Lehrerkonferenz vor Beginn des Schuljahres die Grundsätze für die Hausaufgaben. Am schnellsten erfährst du die Regeln deiner Schule bei der Klassenlehrkraft oder im Hausaufgabenkonzept auf der Schulwebseite.

Was die Regeln noch sagen

  • Ohne Hilfe lösbar: In NRW müssen Hausaufgaben so gestellt sein, dass Kinder sie „selbstständig ohne fremde Hilfe“ erledigen können.
  • Keine Noten: Ebenfalls in NRW werden Hausaufgaben regelmäßig überprüft, aber nicht benotet. Sie sollen Anerkennung finden.
  • Weiterarbeiten erlaubt: Das niedersächsische Kultusministerium weist darauf hin, dass ein Kind länger arbeiten darf, wenn es selbst an einer Aufgabe weitermachen möchte.

Wenn Hausaufgaben regelmäßig länger dauern

Die Zeitgrenzen sind Vorgaben dafür, wie Lehrkräfte Hausaufgaben bemessen. In Bayern beziehen sie sich ausdrücklich auf Kinder mit durchschnittlicher Leistungsfähigkeit, in NRW soll der Umfang die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Kinder berücksichtigen. Wenn dein Kind regelmäßig deutlich länger braucht, ist das eine wichtige Information für die Lehrkraft, kein persönliches Versagen.

  1. Eine Woche lang mitschreiben. Notiere Beginn, Ende, Pausen und welches Fach wie lange gedauert hat. Ein Zettel am Kühlschrank reicht.
  2. Beobachten statt einspringen. Hängt es an einer bestimmten Aufgabenart, am Lesen der Aufgabenstellung, an Ablenkung oder an Müdigkeit?
  3. Mit der Lehrkraft sprechen. Bring die Notizen mit. Frag, ob ihr vereinbaren könnt, dass dein Kind nach Ablauf der Zeit aufhört und du das mit einer kurzen Notiz im Heft vermerkst.

Das niedersächsische Kultusministerium nennt dazu einen wichtigen Punkt: Wenn Eltern stark helfen, erschwert das die Selbstständigkeit des Kindes. Und die Lehrkraft kann nicht mehr erkennen, was das Kind allein kann. Fehlerhafte Hausaufgaben sind für sie eine wichtige Rückmeldung.

Eine Routine ohne Streit

Ein Teil des Ärgers entsteht oft nicht an der Aufgabe selbst, sondern an Fragen wie „Wann?“, „Wo?“ und „Wie lange noch?“. Eine feste Routine beantwortet diese Fragen, bevor sie gestellt werden.

1. Ein fester Zeitpunkt

Nicht direkt nach der Schule, nicht kurz vor dem Abendessen. Probiert aus, ob eine Pause mit Essen und Bewegung vorher hilft. Legt gemeinsam fest, wann die Hausaufgabenzeit beginnt, und bleibt dabei. Ändert sich der Plan an Trainingstagen, gehört das in den Wochenplan.

2. Ein fester Platz

  • Tisch frei bis auf das Heft, das gerade dran ist
  • Stifte, Radiergummi, Lineal, Spitzer griffbereit in einer Dose
  • Handy und Tablet in einem anderen Raum
  • Gutes Licht, Füße erreichen den Boden oder eine Fußstütze
  • Stundenplan in Sichtweite, damit dein Kind selbst nachschauen kann, was morgen dran ist

Einen Stundenplan kann dein Kind selbst gestalten oder ausfüllen, dann schaut es eher hinein. Wenn dein Kind Fußball mag: Den Fußball-Stundenplan mit Namen kannst du ausdrucken und Fächer und Zeiten selbst eintragen.

3. Klare Reihenfolge

Erst die Aufgabenliste anschauen: Was ist heute dran, was ist für wann? Dann entscheidet dein Kind, womit es anfängt. Manche Kinder starten lieber mit dem Leichten, um in Schwung zu kommen, andere mit dem Schwierigen, solange sie noch frisch sind. Wichtig ist, dass dein Kind die Entscheidung trifft.

4. Eine sichtbare Zeitgrenze

Eine Küchenuhr oder Sanduhr mit der Zeit, die euer Bundesland vorsieht, nimmt den Streit über „Wie lange noch?“. Wenn die Zeit um ist und noch etwas fehlt, gilt Schritt 3 aus dem Abschnitt oben: aufhören, Notiz ins Heft, mit der Lehrkraft klären.

5. Kurz drüberschauen, nicht korrigieren

Am Ende reicht ein Blick: Ist alles da, ist es lesbar? Fehler darf dein Kind mit in die Schule nehmen. Wenn dich ein Fehler interessiert, frag „Wie bist du darauf gekommen?“ statt „Das ist falsch“.

Wenn dein Kind keine Hausaufgaben machen will

Hinter Verweigerung steckt oft ein konkreter Grund. Die folgende Übersicht hilft, ihn einzugrenzen:

BeobachtungMögliche UrsacheWas du versuchen kannst
Streit immer gleich zu Beginnzu wenig Pause nach der Schule, HungerStartzeit verschieben, erst essen und bewegen
Aufgaben werden mittendrin abgebrochenAufgabe nicht verstandenAufgabe in eigenen Worten erklären lassen, eine Beispielaufgabe gemeinsam machen
Kind trödelt, steht ständig aufAblenkung, zu lange EinheitPlatz aufräumen, Zeit in kleine Abschnitte teilen
Weinen oder „Ich kann das nicht“Überforderung, schlechte Erfahrungkleiner einsteigen, erste Aufgabe gemeinsam lösen, Lehrkraft informieren
Nur bei einem Fach WiderstandLücke in genau diesem Stoffbei der Lehrkraft nachfragen, gezielt üben

Wenn der Widerstand vor allem bei Mathe auftritt, helfen die Artikel zu den häufigsten Hürden: Zehnerübergang, Einmaleins und Textaufgaben.

Wie viel Hilfe ist richtig?

  • Da sein, nicht daneben sitzen. In Klasse 1 brauchen Kinder oft noch Nähe. Mit der Zeit kannst du dich zurückziehen und in Rufweite bleiben, damit dein Kind selbstständiger wird.
  • Fragen stellen statt Lösungen geben. „Was steht in der Aufgabe?“, „Was hast du schon probiert?“
  • Methoden der Schule respektieren. Wenn in Mathe ein anderer Rechenweg geübt wird als der, den du kennst, lass dir den Schulweg zeigen.
  • Anstrengung loben, nicht nur Ergebnisse. „Du bist drangeblieben, obwohl es schwer war“ zeigt deinem Kind, dass Mühe zählt, auch wenn nicht alles richtig ist.

Einen Überblick, was in welcher Klasse in Mathe drankommt, gibt der Artikel Mathe in der Grundschule.

Stand: Oktober 2026. Die Regelungen der Länder können sich ändern. Maßgeblich sind der aktuelle Erlass oder die Schulordnung deines Landes und das Hausaufgabenkonzept deiner Schule.

Häufige Fragen

Wie lange dauern Hausaufgaben in der 1. Klasse?

In NRW 30 Minuten pro Tag, in Niedersachsen höchstens 30 Minuten für die ganze Grundschulzeit, in Bayern bis zu einer Stunde für die Grundschule insgesamt. Gemeint ist die Hausaufgabenzeit des ganzen Tages, nicht pro Fach.

Sind Hausaufgaben am Wochenende erlaubt?

Das hängt vom Land ab. In NRW gibt es an Wochenenden und Feiertagen keine Hausaufgaben (an Schulen ohne gebundenen Ganztag), in Niedersachsen keine von Freitag auf Montag, in Bayern müssen Sonntage, Feiertage und Ferien frei bleiben.

Was mache ich, wenn mein Kind für die Hausaufgaben viel länger braucht?

Notiere eine Woche lang die Zeiten und sprich mit der Lehrkraft. Die Zeitgrenzen der Länder sind Vorgaben für die Bemessung der Hausaufgaben. Vielleicht lässt sich vereinbaren, dass dein Kind nach Ablauf der Zeit aufhört und du das im Heft vermerkst.

Soll ich die Hausaufgaben meines Kindes korrigieren?

Ein kurzer Blick auf Vollständigkeit reicht meist. Das niedersächsische Kultusministerium weist darauf hin, dass fehlerhafte Hausaufgaben eine wichtige Rückmeldung für die Lehrkraft sind. Wenn alle Fehler zu Hause korrigiert werden, sieht sie nicht, wo dein Kind Unterstützung braucht.

Werden Hausaufgaben benotet?

In NRW nicht: Der Erlass sagt ausdrücklich, dass Hausaufgaben überprüft, aber nicht benotet werden. In anderen Ländern gibt es eigene Regeln, frag im Zweifel die Schule.

Quellen

  1. Runderlass Unterrichtsbeginn, Verteilung der Wochenstunden, Fünf-Tage-Woche, Klassenarbeiten und Hausaufgaben (BASS 12-63 Nr. 3), Ministerium für Schule und Bildung NRW
  2. § 28 Bayerische Schulordnung: Hausaufgaben, Bayern.Recht
  3. Hausaufgaben, Niedersächsisches Kultusministerium

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